Der Hausgeist

Der Hausgeist

Meine sogenannte Gärtnerwohnung in Hamburg-Volksdorf bestand aus vier schlauchförmig hintereinander liegenden Zimmern: der Eingang führte in eine geräumige Wohnküche, die in ein kleines Kaminzimmer überging, dann gelangte man über eine Stufe ins Schlafzimmer, und dahinter schloss sich dann mein Arbeitszimmer an.

Während meiner Zeit in Hamburg lebte ich als freie Mitarbeiterin von meiner Autorentätigkeit für den Bertelsmann Lexikon Verlag. Ich war als Fachautorin im biologisch-medizinischen Bereich unter anderem an dem Vielbänder „Medica“ beteiligt, einem umfassenden schulmedizinischen Nachschlagewerk, sowie an der ebenfalls vielbändigen „Naturenzyklopädie“. Und dort in der Wohnung im Wald sind unter anderem auch meine „Tierboten“ entstanden, mein erstes eigenes Buch.

Keine Energie

Vom ersten Moment an habe ich mich in dieser Wohnung auf dem geschützten und großzügigem Anwesen sehr wohl gefühlt. Nur die Anwohner und der Gärtner hatten Zutritt auf das Gelände. Noch dazu hatte ich den wunderbaren Hund Djoscha an meiner Seite, der hier einfach frei laufen konnte.

Dennoch konnte ich mich in meinem Arbeitszimmer nicht wie gewohnt konzentrieren und am PC arbeiten. Nach kurzem Aufenthalt in dem Raum war stets die Luft bei mir raus. Ich wurde unglaublich schnell müde. Alles Mögliche ging mir durch den Kopf, das nichts mit meiner aktuellen Schreibtätigkeit zu tun hatte. Ich konnte mich hier nur sehr, sehr schwer bis zeitweise gar nicht konzentrieren. Ich bin laufend aufgestanden und habe irgendetwas aktuell völlig Belangloses oder Überflüssiges gemacht. Wenn ich etwa wegen einer Deadline dringend weiterarbeiten wollte, stieg in mir eine abgrundtiefe Müdigkeit hoch, dass ich kaum noch die Augen offen halten konnte. Diese dunkelgraue Energie machte sich in mir breit bis nichts mehr ging.

Es hat eine Weile gebraucht, bis ich verstand, dass diese ungewöhnliche und äußerst extreme Müdigkeit nur in diesem hinteren Raum auftrat. Am Küchentisch zum Beispiel konnte ich ganz normal auch über längere Zeit arbeiten, ohne dass mir die Augen zufielen. An diesem Küchentisch habe ich auch einen großen Teil der Durchsagen für die „Tierboten“ niedergeschrieben. Ich schreibe – bis heute – alle Texte meiner Bücher handschriftlich auf, weil ich dann mehr in einem energetischen Fluss bin als vor einem Bildschirm.

Was tun?

Nun hatte ich zwar verstanden, dass diese aufkommende extreme Müdigkeit etwas mit dem hintersten Raum zu tun hatte, aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, was das zu bedeuten hatte, geschweige denn, was die Ursache war und ich dagegen tun konnte. Ich reinigte den Raum mehrfach sehr gründlich mit Weihrauch. Doch nichts veränderte sich dadurch. Auch Gebete, gereinigte Kristalle und verschiedene Heilsteine zeigten keinerlei Wirkung.

Irgendwann sprach ich mit meiner damaligen Freundin Hannah über diese bizarre Situation. Und als wir dann vor Ort in meinem Arbeitszimmer standen, sagte sie ganz unvermittelt: „Da ist jemand! Da hockt jemand in der Ecke.“

Ich war völlig verblüfft. Ich kniff die Augen etwas zusammen und starrte in die von ihr angezeigte Ecke. Ich sah nichts.

„Es ist eine Frau.“ fuhr Hannah fort. „Sie ist gekleidet wie im 19. Jahrhundert. Sie ist ein wenig verhuscht. Aber sie macht sehr deutlich, dass sie hier wohnt. Das ist hier ihr Zuhause.“

Oha! Da hatte ich also einen Geist in meinem Arbeitszimmer, jemanden, den ich gar nicht sehen, nicht einmal spüren konnte!

Hilde, meine spirituell bewanderte Freundin, bestätigte alles. Ja, sie hatte die Frau auch gesehen. Und sie schien meine Energien abzuziehen. Sobald ich mich länger dort aufhielt, zapfte dieses Wesen meine Energie ab, die sie offensichtlich für ihre Existenz benötigte. Heute weiß ich, dass solche Wesen wie dieser „Hausgeist“ in einer Art Zwischenreich feststecken – wie auch einmal meine Oma, die mit elektrischen Störungen in meiner Wohnung auf sich aufmerksam gemachte hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun gut – damals war mir die geistige Dimension noch recht fremd. Was konnte ich also, was sollte ich tun? Ich war jedenfalls nicht länger bereit meine Energie derart abzocken zu lassen. Außerdem war dies ja mein Ort um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Umsiedlung

Ich weiß nicht mehr, wer von meinen beiden Freundinnen mir den Tipp gegeben hat, aber ich habe ihn treu und brav umgesetzt, selbst nichts von alldem sehend, nicht einmal fühlend:

Ich habe mir ein schönes Kästchen besorgt und ich glaube sogar einen Bergkristall mit hineingelegt. Damit bin ich dann in mein Arbeitszimmer und habe das Wesen, die Frau, die ich selbst nicht sehen konnte, mit eindringlichen Worten aufgefordert, mein Zimmer zu verlassen, weil dies jetzt meine Wohnung ist. Ich würde ihr mit dieser Schachtel ein neues Zuhause suchen. Es hat eine Weile gedauert und ich musste auch sehr energisch werden, damit der Geist der Magd meiner Aufforderung nachkam. Dann brachte ich das Kästchen an einen schönen Platz auf dem Anwesen. Dort sprach ich laut mit der Geistfrau, dass sie jetzt hier an diesem schönen Ort in Frieden sein könne, das dies hier jetzt ihr neues Zuhause sei. In meiner Wohnung sei sie nicht willkommen, aber an diesem Ort hier könne sie in Ruhe sein. Dann begrub ich dort am Teich des Anwesens das Kästchen und wünschte der Frau alles Gute.

Von stund an konnte ich wunderbar ungestört und intensiv und konzentriert in meinem Arbeitszimmer in meinem Energiefeld sein und arbeiten. Schließlich sollten hier ja auch die „Tierboten“ entstehen.

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