Sterbebegleitung

Sterbebegleitung: Abschied vom geliebten Haustier

Bei jeder Sterbebegleitung hat mich der aus dieser Welt gehende Hund immer wieder Neues über den Tod gelehrt. Wie beim Menschen auch: Jeder Hund stirbt anders. Jedes Lebewesen stirbt auf seine einzigartige Weise. Und von dem Rudel, den anderen Hunden, habe ich viele Achtsamkeiten und Feinheiten bei einer Sterbebegleitung gelernt. Mich weich machen, Ruhe – innere und äußere, einfach da sein, von mir absehen, das Herz öffnen, um Licht  und Frieden bitten und beten, gelassen und offen bleiben, mitfließen…

Hier die lieben Worte von Heike von Omihunde e.V. zu einer Sterbebegleitung von Susi (18):

Bild könnte enthalten: Hund und im Freien

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Zum Start dieses Hundeforums Sterbebegleitung möchte ich die Geschichte von meinem Hund Sancho erzählen. Diese story von dem sanften Macho Sancho und seinen beeindruckenden Hunde-Freundinnen möge viele Menschen helfen, den Schmerz um den Abschied von ihrem geliebten Haustier zu lindern und die Angst vor dessen Tod zu nehmen.

Die Geschichte von Sancho

Hundeforum. Angela Kämper kniet neben dem Hund Sancho

Sancho

Eigentlich wollte ich alleine keinen Hund mehr. Ein Jahr hielt ich das durch. Dann träumte ich, für mein Tagesbewusstsein völlig unerwartet, von einem Hund: kurzhaarig – wo ich doch auf Langfelle stehe – weiß mit braunen Flecken. Er sah aus wie irgendeine englische Jagdhunderasse. Der Gedanke ließ mich nicht mehr los und ich tingelte gut vier Monate durch alle erreichbaren Tierheime. Doch erst meine Freundin Hilde machte dann Nägel mit Köpfen: „Ich glaube, ich habe deinen Hund gefunden!“ sagte sie am Telefon.

Sie hatte einen etwas verwirrt dreinblickenden großen hellen Hund aus einem kleinen Tierheim in einem Käseblättchen entdeckt. Das hatte sie – übrigens zu ihrem eigenen Erstaunen – aus dem Altpapier bei Freunden hervorgezogen. Nun ja, er sollte wohl mit allen Mitteln zu mir: Sancho, der sechseinhalb Jahre alte weiße Bobtail-Mischling mit den milchkaffeebraunen Flecken – also der Traumhund, nur mit dem geliebteren längeren Fell!

Kurze Regeneration

Nachdem es ihm zunächst auch körperlich bei mir besser ging, bekam Sancho nach kaum anderthalb Jahren bei mir massive Probleme im unteren Rücken. Eines Tages kam er von einem recht kurzen Gang kaum noch wieder nach Hause. Sein ohnehin schon muskelschwacher Körper wies nun im gesamten hinteren Bereich einseitige Lähmungserscheinungen auf. Der Tierarzt sah nur die Möglichkeit aufgrund seiner schwer rachitisch missgebildeten Wirbelsäule Schmerzmittel zu verabreichen, um Sanchos Leben erträglich zu gestalten. Er meinte, durch jede noch so kleine Bewegung könne es bei Sancho ganz plötzlich zu schwerwiegenden irreparablen Schäden an der Wirbelsäule kommen, die zur Bewegungsunfähigkeit des Hundes führen würden.

Hundeforum-Sterbebegleitung. Der Hund Sancho läuft über eine Wiese

Sancho in seiner besten Phase

Ich sah jedoch außerdem immerzu vor meinem inneren Auge ein anderes Bild von Sanchos Körper: Sein gesamter Leib war durchsetzt mit unzähligen Krebswucherungen, ausgehend von seiner bekanntermaßen vergrößerten Prostata. Obwohl ich mir für Sancho beileibe etwas völlig anderes gewünscht habe, hielt sich dieses Bild der Krebsgeschwüre in seinem Körper hartnäckig in mir. Es würde bald eine Sterbebegleitung auf uns zukommen.

Der Leib des mageren und eher fleischlosen großen Hundes schwoll in den folgenden Monaten tatsächlich kontinuierlich an – wie ein Ballon – und wurde immer druck- und berührungsempfindlicher. Dank der ursprünglich für den desolaten Rücken und Bewegungsapparat gedachten Schmerzmittel ging es Sancho jedoch so weit ganz gut.

In seinem letzten halben Lebensjahr wurden entsprechend dem fortschreitenden Krebsgeschehen in seinem Körper seine Gehstrecken allmählich kürzer. Manchmal schaffte er nur noch ein paar Meter, um sich zu entleeren.

Im Gegenzug fing der Hund jedoch immer mehr an zu leuchten.

Sanchos Körper entschwindet

Nach seinen ersten sechs Lebensjahren in relativer Isolation und kaum hundegerechter Bewegung und Kontakten war Sancho bei mir zunächst aufgeblüht. Da er kaum gelaufen war, hatte Sancho fast überhaupt keine Muskeln. Seine Beine fühlten sich an wie Knochen mit luftgefüllten Säckchen darüber. Ein wenig hatten sie sich durch unsere Spaziergang-Muskeltraining mit Muskelmasse gefüllt, vorne deutlich mehr als hinten. Doch sein Hinterleib blieb insgesamt sehr schwach, so dass er sich mehr nach vorne zog als von hinten aus abdrückte.

Dann stellte sich aber heraus, dass Sanchos insgesamt schwacher Körper nicht mehr das Potenzial hatte, sich vollständig zu regenerieren. Und es nützte nicht, dass wir beide uns das so sehr gewünscht hatten. Bereits nach einem knappen Jahr bei mir war sein körperlicher Zenit überschritten. Es wurde deutlich, dass Sancho nicht mehr kräftiger werden würde, nie laufen, rennen, geschweige denn springen können würde. Weiterhin könnte ihn jeder Rüde einfach so umwerfen, indem er ihn hinten anstubste. Der andere Hund brauchte nicht einmal aufzureiten, was Sancho sofort in die Knie zwang. Etwa zwei Monate lang waren sowohl Sancho als auch ich über diese Tatsache sehr mürrisch und missmutig, haderten wir beide mit seinem, mit unserem miteinander verknüpften Schicksal.

Doch kurze Zeit später passierte die Geschichte mit Sanchos kurzzeitiger Rückenlähmung. Und von da ab, fing dieser Hund an zu leuchten. Langsam beginnend, und dann immer und immer mehr. Er hatte sich in sein Schicksal, in seinen ganz eigenen Lebensweg gefügt und war nun in das Einverständnis damit gegangen.

Über eine befreundete Tierkommunikatorin ließ mir Sancho mitteilen, dass er auf sein morgendliches Butterbrot doch gerne Leberwurst hätte und dass er immer ausreichend Schmerzmittel bekommen möchte. Mit seinem Einverständnis in seinen Weg hat Sancho in seinem letzten halben Lebensjahr noch einiges Wunderbares erfahren.

Hundefreundschaft

Portrait der wunderbaren Hündin Carena. Hundeforum

die wunderbare Carena

So hat er die fürsorgliche Liebe einer Hündin erfahren. Carena, meine fünfjährige PON-Hündin, hat den Burschen unter anderem auf Spaziergängen vor anderen Rüden beschützt. Ich habe das allerdings erst nach einiger Zeit verstanden. Die kluge Carena hat entweder die Rüden mit ihrer weiblichen Note abgelenkt oder sie hat sie regelrecht von Sancho abgedrängt.

Sancho war nämlich ein ziemlicher Macho, der die meisten Rüden angemacht hat, obwohl sie ihn sofort umschubsen konnten. Sein Rüdenstolz hatte ihn bereits häufiger in Bedrängnis gebracht. Als er nun krank war und immer schwächer wurde, hat er erfahren, dass er beschützt wird: von Carena und auch von mir.

Und von einer weiteren Hündin, einer sehr weisen, spirituell sehr hoch entwickelten alten Hundedame, der zwölfjährigen Tibetterrierhündin Jule, hat sich Sancho manchen Vortrag über die Dinge des Lebens angehört. Und manches Mal sicherlich auch anhören müssen. Julchen hat ihm nicht nur die Welt erklärt, sondern war ihm sicherlich auch sehr bei seinem spirituellen Wachstum, seinen meditativen Übertritten in andere Dimensionen behilflich. Julchen war eine so erstaunliche Hündin, trotz ihres schon seit Jahren so kranken Körpers: Sie unterstützt beispielsweise auch Menschen durch Meditation in höhere Schwingungen zu gelangen, einfach durch ihr daneben sitzen und weil sie selbst eben ein so hoch schwingendes, erleuchtetes Wesen ist.

Hundeliebe

Zudem hat Sancho hat auch die sexuelle Komponente der Liebe einer Hündin erfahren. Als Sancho schon sehr krank war und mehr lag und schlief als agil in die Welt zu gehen, hat ihm eine entzückende junge und bildschöne Löwchen-Hündin so etwas von den Hof gemacht. Mit Haut und all ihren lockigen Haaren und von Hier auf Jetzt hat die kleine Wilma den alten Hundeburschen geliebt. Sie stupste ihn zärtlich an, knusperte ihm in sein Ohr und tätschelte ihn ganz vorsichtig mit der Pfote.

Hundeforum-Sterbebegleitung. Angela Kämper kniet neben den beiden Hunden Carena und Sancho

Carena und Sancho

Gut ein halbes Jahr wucherte der Krebs von seiner Prostata ausgehend bereits durch seinen Körper. Aber er hat gewartet, sicher auch immer wieder durchgehalten, bis er selbst reine und bedingungslose Liebe erfahren hat – vor allem von Carena, meiner stets Liebe verströmenden PON-Hündin, die kurz vor Sanchos Diagnose aus ebenfalls unglücklichen Verhältnissen zu uns gekommen war; von Jule, der weisen und großherzigen alten Tibetterrier-Hundedame; Wilma, der bildschönen Löwchen-Hündin, die sich Hals über Kopf in den alten Filou verliebt hatte; Hilde, meiner groß- und warmherzigen spirituellen Freundin; und immer mal wieder auch etwas von mir, wenn ich es geschafft hatte, in meine Mitte zu kommen und auch dort zu bleiben.Wir alle, seine Familie, waren von Herzen bereit, ihn beim Sterben zu begleiten.

Über seine letzten Monate bekam Sancho eine immer goldenere Ausstrahlung. Gegen Ende war der einst völlig abgemagerte, geschwächte und verwirrte, aber stets stolze Hund eine auf feinstofflicher Ebene wahrlich leuchtende Erscheinung.

Sanchos Zeitpunkt

Hundeforum, zur Sterbebegleitung. Treffen mit HIlde Gasthund, Wilma, Carena und Sancho, die 4 Hunde warten geduldig auf Leckerchen von Hilde

Treffen mit Hilde, Gasthund, Wilma, Carena und Sancho

Als nun sein Programm, dass er sich wohl für sein Leben vorgenommen hatte, erfüllt bzw. abgearbeitet war, wartete er anscheinend mit seinem Weggehen nur noch, bis sein gesamtes Rudel zusammengekommen war. Sterbebegleitung begleitet von Sanchos Freunden. Inzwischen war sein Körper schon sehr geschwächt. Seit längerer Zeit ging es mit seiner körperlichen Verfassung in Wellen von besseren und sehr schlechten Zuständen langsam abwärts. Als dann sein Rudel zusammen war – eigentlich wollte Hilde mit einer gemeinsamen Freundin und ihren beiden Hunden nur auf einen Tee vorbeischauen – gab Sancho das Zeichen.

Kaum dass sie da waren, schoss ihm Blut aus der Nase – direkt in Hildes Hände. Sanchos Schutzengel haben ebenso wie die übrigen Anwesenden und der hinüberführende Engel sicher gut auf den verschiedenen Ebenen dabei geholfen. Alle Beteiligten sollten und wollten dann auch beisammen sein, um Sancho den Übergang zu erleichtern, ihm, der so viel in seinem Leben allein gewesen war, beim Sterben zu begleiten.

Unsere Entscheidung

Die Blutung war zunächst durch nichts zu stoppen. Es war bald klar, dass nun die Zeit anbrechen würde, in der die unzähligen Krebsgeschwüre in Sanchos Körper aufbrechen würden. Der bislang recht friedliche und stille Krankheitsverlauf würde ab nun eine dramatische Wendung nehmen. Zum Stillstand kam die Blutung letztlich erst, als ich nach einer guten Stunde zusammen mit Hilde beratschlagt und entschieden hatte, dass dies nun das Zeichen ist, Sancho zu helfen zu gehen. Eine neue Phase der Sterbebegleitung begann für uns. Wir holten den Tierarzt zum sanften Einschläfern, zur Sterbehilfe. Übrigens waren während der ganzen Zeit alle drei anwesenden Hündinnen – sowie Sancho selbst – ganz friedlich, ruhig und entspannt.

Sancho versuchte natürlich, sich das Blut vom Maul zu lecken, weil es wie ein kleines Rinsal aus ihm herausfloss. Aber sonst war keinerlei Aufregung oder Bedrückung unter den vier Tieren zu spüren. Alle vier hatten keinerlei Angst vor dem Tod. Es begann nun fast eine Art stilles Fest des Übergangs für den schlaksigen alten Prinzen. Neben den menschlichen Tränen, die angesichts des bevorstehenden Abschieds immer wieder flossen, ging von allen vier Hunden eine große Ruhe und Gelassenheit aus, die sich auch auf uns drei Menschen übertrug. So gab es für alle Vierbeiner, allen voran natürlich für Sancho, alle verfügbaren Leckereien satt.

Unterstützte Sterbebegleitung

Abends schellte dann der Tierarzt. Es war allen klar, dass er es war. Sancho ging dem Tierarzt erstaunlicherweise sogar noch mit wackeligen Beinen die Auffahrt hoch entgegen. Und das tat er, obwohl spätestens jetzt nach den Vorkommnissen und Gesprächen der zurückliegenden Stunden klar war, was heute geschehen würde. Sancho verkroch sich nicht, sondern legte sich, als er mit dem Tierarzt und dem Restrudel zusammen wieder in meine Wohnung kam, sogleich entspannt in sein Körbchen.

Die drei anderen Hündinnen Carena, Wilma und Julchen legten sich auch ins Wohnzimmer, nicht weit von Sancho entfernt um ihn herum. Es war trotz der vier Hunde und vier Menschen in dem nicht besonders großen Raum eine ganz friedliche und entspannte Atmosphäre. Sancho zog nicht einmal sein Bein weg, als der Tierarzt den Stauschlauch anlegte. Er war bereit für sein Sterben – begleitet von seiner gesamten Familie. Ich hockte mich neben meinen Hund und hielt locker seinen Kopf.

Das Sterben – der Übergang

Die erste, eigentlich zur Beruhigung und dem erste Dahindämmern dienende Injektion des Tierarztes ließ Sancho bereits nach kaum einigen Sekunden in Bewusstlosigkeit fallen und seinen Kopf in meinen Schoß. Der Tierarzt meinte später, dass Sancho durch den Krebs schon sehr geschwächt war, so dass er den Medikamenten gar nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Ich bin jedoch zusätzlich der festen Überzeugung, dass Sancho an diesem Tage, zu dieser Stunde, hier im Kreise seiner Lieben, mit jeder seiner Poren und allen geistigen Helfern um ihn herum auch bereit war, hinüberzugehen. Mit meiner heutigen Erfahrung hätte ich den Tierarzt gar nicht geholt. Ich wäre mit den anderen einfach bei ihm geblieben, bis es so weit gewesen wäre.

Als er seinen letzten Atemzug tat, gab Carena einmal kurz laut. Es war weniger ein Aufstöhnen als ein Mitgehen, nach dem Motto: So, jetzt ist es geschehen! Im Übrigen blieben alle Hunde völlig ruhig und gelassen. Von Hunden konnte ich in dieser Situation und auch den vielen anderen, die noch folgen sollten, gelassene und angstfreie, einfühlende und einfach da seiende Sterbebegleitung lernen.

Hunde-Freunde bis zuletzt

Angela Kämper sitzt neben der weisen und liebevollen Hündin Carena. Foto im Hundeforum-Sterbebegleitung.

die weise und liebevolle Carena

Carena tat anschließend allerdings noch etwas höchst Ergreifendes, ein Bild, das ich über die Sterbebegleitung hinaus nie mehr vergessen werde. Als der Tierarzt nach der zweiten, der letztlich tödlichen Injektion, mit seinem Stethoskop den tatsächlichen Atem- und Herzstillstand Sanchos feststellte, ging Carena zu ihm. Diese wunderbare Hündin legte dem Tierarzt eine Pfote auf dessen Arm: „Ein dickes herzliches Dankeschön, dass Du meinem Hundefreund geholfen hast zu gehen.“ Der Tierarzt war zutiefst beeindruckt.

Wilma war ja in Sancho bis wirklich über beide Ohren verliebt. Die kleine Hündin saß nach Sanchos Tod gut eine halbe Stunde in einem Abstand von etwa einem Meter vor dem toten Hundekörper in seinem Körbchen. Sie beobachtete äußerst aufmerksam und interessiert, aber keineswegs beunruhigt, was dort alles passierte.

Sancho war nun bereit, sich von dem Todesengel, von dem großen weißen Hund abholen zu lassen. Wilma betrachtete dieses Schauspiel – und was dort sonst noch auf der geistigen Ebene außerhalb meiner Wahrnehmung geschah – mit großem Interesse. Ganz selbstverständlich sichtete die kleine Löwchen-Hündin die spirituellen Vorkommnisse auf der für die meisten Menschen unsichtbaren Ebene des Seins.

Sterbebegleitung ins Licht

Ich hatte den großen weißen Hund, den hinüberführenden Hundeengel, schon vorher gesehen. In der Krankenzeit von Sancho sah ich ihn einmal des Nachts auftauchen. Das war einer der Momente, in denen Sancho augenscheinlich unvermittelt ein völlig klares und lautes einsilbiges Bellen von sich gab. Ich deutete es später – als ich mehr Einblick in diese Seinsebene bekam – als ein äußerst bestimmtes und vehementes „NEIN“ – Es ist noch nicht so weit; ich bin noch nicht so weit; nein, ich komme noch nicht mit; NEIN, jetzt noch nicht!

Die Gestalt, die dieses Hundeseelen abholende Wesen einnahm, scheint nicht festgelegt zu sein. Ich glaube inzwischen, sie richtet sich sehr nach dem aktuellen Bewusstseinsstand des Betrachters, nach den Erfahrungen des Sehenden, danach, was er verkraften kann. Ich nahm die hinüberführende Wesenheit von Sancho auch einige Male als eine eher engelsgleiche Gestalt mit großen Flügeln wahr. Groß und sehr hell weiß leuchtend ahnte ich diese engelsgleiche Gestalt mehr, als dass ich sie sah.

Aus den Augenwinkeln sah ich, ahnte ich, spürte ich mit zunehmender Erkrankung Sanchos die Anwesenheit des Hundeengels immer häufiger in einer Zimmerecke. Seine Gegenwart war weder für Sancho noch für mich in irgendeiner Weise beunruhigend. Von dem Hundeengel ging ein tiefer und warmer Frieden aus, so etwas wie unendliche und wahrlich grenzenlose – da auf niemanden begrenzte – Liebe.

Dennoch wollte Sancho lange Zeit trotz seiner stetig zunehmenden irdisch-körperlichen Beeinträchtigungen nicht mitgehen.

Dankbarkeit…

Wie mir kurz nach seinem Tod eine spirituelle Tierkommunikatorin mitteilte, hatte Sancho in seinem scheinbar so unspektakulären Hundeleben alles erledigt, was er sich vor seiner Inkarnation vorgenommen hatte und war in tiefem Frieden ins Licht gegangen. Sancho musste nun nicht mehr auf der Erde erscheinen, nicht mehr inkarnieren. Dieser Hund war tatsächlich immer mehr ins Leuchten gekommen, tief von innen heraus. Er, der ehemals vernachlässigte mürrische Einzelgänger, hatte sein Herz geöffnet, hatte vor allem in seinem letzten halben Lebensjahr nicht nur Liebe erfahren, sondern auch geliebt.

Sancho war auch nach außen weich geworden, so sichtbar, dass sich auch unsere Nachbarn für den zuvor Unzugänglichen erweichen konnten, sich von ihm und seiner Herzensenergie erreichen ließen. In seinen letzten Lebensmonaten hat er noch viele Herzen erobert. Eigentlich eine seltsame Wendung, denn es geschah sehr beiläufig, sehr leise, und dabei sehr klar und rein. Die Nachbarn und der Gärtner sprachen auf einmal ganz anders, angerührt und voller Anteilnahme von dem Hund. Da hatten die Herzen einander berührt.

…und Liebe

Dieser Hund hatte nicht nur die Liebe gesehen, sondern sich trotz seiner extremen eigenen Hundegeschichte – sechseinhalb Jahre bei einem Alkoholiker, Tierheim, dann auf einmal Hundeleben und ehe er das in vollen Zügen genießen konnte, gleich nach einem Jahr eine Tod bringende Erkrankung – für die Liebe, für das Licht geöffnet. Deshalb hatte Sancho als seine Zeit dann gekommen war auch überhaupt keine Angst mehr vor dem Sterben. Er hatte keine Angst vor dem Verlassen seines irdischen Hundekörpers, der ihm mehr Schmerzen und Pein eingebracht hatte als Wohlbefinden und der dennoch sein Seelenvehikel für sein Dasein auf der Erde war.

Sein Tod hatte nicht nur etwas Erleichterndes, weil ihm nun die schmerz- und qualvolle Endphase seiner Krebserkrankung erspart blieb, sondern zugleich etwas Freudiges und vollkommen Einverständliches und Friedliches. Und wir durften diesen wunderbaren Hund bei seinem Sterben begleiten.

Sancho wusste genau, wo es nun für seine Seele hin ging. Er hatte es sich in den letzten Wochen seines irdischen Daseins immer häufiger angesehen. Das waren – auf der materiellen Ebene der Welt sichtbar – die nicht unbedingt längeren, aber umso tieferen Schlafphasen des Hundes, aus denen Sancho so unendlich viel länger brauchte aufzuwachen, insbesondere, wenn er geweckt wurde. Dann benötigte Sancho sehr viel Zeit, um sich wieder in seiner irdischen Umgebung, und ich denke auch, in seinem Hundekörper zu orientieren. Er kam dann tatsächlich aus einer anderen Welt zurück. Und mir schien es immer, dass er von dort ein ganz großes Stück Leuchten mitbrachte.

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